[Franny und ich – Teil 4: Mein Hund, das Leinenmonster]

 

Guten Morgen und schön, dass ihr wieder fleißig mitlest :)

Heute kommt ein nicht ganz so schönes Thema, das vielleicht viele kennen werden und bei dem man irgendwann an einen Punkt gelangt, an dem man sich damit auseinandersetzen MUSS:

Man geht mit seinem Hund spazieren und es kommt einem ein anderer Hund entgegen. Schon von weitem fängt der eigene Hund an zu kläffen, was sich in ein hysterisches beinahe schon „kreischen“ steigert – nur weil er zu dem anderen Hund hin will und gefrustet ist, dass man ihn dann nicht lässt oder weil man in eine andere Richtung flüchtet, um dem anderen Hund aus dem Weg zu gehen. Manchmal passiert es auch, dass das entgegenkommende Herrchen/Frauchen ausweicht, weil sie denken, man hat seinen Hund nicht im Griff und eine wilde Bestie an der Leine – was ja zumindest bei ersterem auch der Fall ist ;o).
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Bei uns war es lange Zeit der Fall, dass Hundebegegnungen so stressig waren, dass ich beinahe verzweifelt bin und schon regelrecht Panik hatte, mit Franny Gassi zu gehen. Ich kann sie nunmal nicht jedes Mal frei laufen lassen; schon gar nicht an Straßen. Wenn ich spazieren gehe, mir jemand mit freilaufendem Hund entgegenkommt und diesen dann an die Leine nimmt, mache ich das aus Höflichkeit auch. Jedenfalls habe ich mich dann (leider viel zu spät, das gebe ich zu) mal näher mit der Problematik beschäftigt und stundenlang das Internet durchsurft, um Lösungen/Ansätze bzw. erst einmal einen Grund für ihr Verhalten zu finden! Für jeden Hund ist die Sachlage natürlich anders, aber eines sind sie immer: Unsicher! Der Hund ist einfach nur überfordert/unsicher in der gesamten Situation und spürt ebenso gut natürlich auch die Unsicherheit des Herrchens/Frauchens… also in unserem Fall, MEINE Angst, Unsicherheit und Panik.  Denn bei mir war es so, dass mir, sobald ich auch nur schon von weitem einen anderen Hund gesehen habe, Gedanken wie „Schande, gleich flippt sie wieder aus!“, „Gleich wird’s wieder peinlich“ oder ähnliches durch den Kopf geschossen sind. Alles in allem nicht förderlich für einen eh schon verstörten Hund.

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Da das alles nicht so weitergehen konnte, musste eine Lösung her. Eine Trainingsmethode, damit wir enstpannt auf andere Hunde treffen können ohne dass es zu einem „Totalausfall“ kommt! Für Franny war es einfach nur noch unglaublich stressig und anstrengend – und für uns natürlich auch, das muss ich echt zugeben. Dann bin ich auf eine sehr tolle Lösung gestoßen: Auf die“Zeigen & benennen“-Methode.

Beim zeigen & benennen, weist man den eigenen Hund gezielt auf einen anderen Hund (den Aggressor) hin um ein deeskalierendes Verhalten herbeizuführen. Der Hund wird früh schon auf andere Hunde hingewiesen, die „Gefahr“ kommt also nicht plötzlich, er kann sich darauf einstellen und wird gelassener. Da man als Herrchen den Hund führt und sich aktiv einbringt, ihn darauf hinweist /bzw. fragt, stärkt man seine Führungsposition und die Beziehung zum Hund!

Hier steht es auch nochmal etwas ausführlicher:

Zeigen & Benennen   (für die Trainingsmethode, noch den Link übernehme ich irgendeine Haftung – es stehen aber wirklich gute und lehrreiche Dinge dort!!)

Wie lief unser Training ab?

Wir haben unser Training letztes Jahr im April gestartet, kurz darauf haben wir im Mai einen Kurzurlaub mit unserem Wohnmobil in Italien gemacht; auf einem Campingplatz, der über und über von Hundebesitzern besucht wurde! Dort gab es auch ein eigenes „Gassi-geh-Gehege“; ein mehr als idealer Übungsort, da wir da tagtäglich viele, viele Hundebegegnungen hatten und somit gut üben konnten :o)

Ich habe angefangen, sobald ich eine Person mit Hund gesehen habe und ich sicher war, dass Franny den anderen Hund schon gesehen hat (sie wurde dann immer etwas langsamer) „Wo ist der Hund“? zu fragen. Man muss aber darauf achten, dass der Hund nicht schon aggressives Verhalten aufweist. Bei Franny äußerte sich das in nach vorne springen, sich extrem fixieren und knurren oder sie fing sofort an zu fiepen oder jaulen. Hat sie eines dieser Dinge getan, habe ich sofort abgebrochen und bin mit ihr aus der Situation raus, in dem ich in eine andere Richtung gegangen bin (ich bin dann immer querfeldein, sofern es ging – viele sagen, man soll dann nicht umkehren, also den anderen Hund „im Rücken haben“, weil das angeblich wie flüchten beim eigenen Hund ankommt. Ob da was dran ist, weiß ich nicht – ich habe es lieber nicht gemacht!). Man will ja schließlich kein aufhetzen mit der Frage verbinden; sprich kein aggressives Verhalten auch noch verstärken. Verhielt sie sich beim angucken des Hundes ruhig, habe ich die Frage gestellt und kurze Zeit später gleich mit einem „Fein!“ + Leckerli belohnt. Da wir nicht mit dem Klicker arbeiten sondern rein verbal, wurde das nun ihr neues Belohnungswort.

Irgendwann, nach vielem üben, wird euer Hund anfangen, euch bei einem entgegenkommenden Hund anzugucken, um dafür ein Leckerli zu bekommen. Franny weiß mittlerweile schon ganz genau „Oh, Hund, schnell Frauchen angucken“, dass sie ein Leckerli bekommt und der Hund eh nicht so schlimm ist, auch gut ignoriert werden kann! Aber auch heute noch gibt es die ein oder andere Situation, wo sie noch kurz vorm ausflippen ist, weil ihr der Hund nicht gefällt oder sonstiges (aber selbst Charlie, ihr Erzfeind, wird von weitem so gut wie nicht mehr angebellt – das war am Anfang kaum vorstellbar). Alles in allem ist das Verhalten von ihr (und uns) kein Vergleich mehr zu früher. Es läuft um eiiiiniges entspannter ab.

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Unser misslungenes Selfie :D

Es  kommt jetzt auch schon immer häufiger vor, dass SIE an anderen Hunden vorbeigeht, die an der Leine ausrasten und es interessiert sie nicht_die_Bohne!!…Sie schnüffelt lieber oder guckt mich an – das macht mich soooo stolz! Wir haben also einiges geschaff, werden diese Methode aber immer beibehalten, da es auch an sich ein schönes Spiel ist. Es ist übrigens auch eine sehr interessante Idee, wenn man einen Hund hat, der einen zu ausgeprägten Jagdtrieb besitzt  – da kann es ja auch unter Umständen sehr gefährlich für Hund und Besitzer werden.

Die nächste Steigerung die wir dann bald einbauen müssen, ist der „Handtouch“, da irgendwann noch ein Alternativverhalten eingebaut werden muss. Aber das ist eine andere Geschichte. Sobald wir damit anfangen, gibt es eine nähere Erläuterung.

Ich hoffe, ich habe denjenigen, die ähnliche Probleme haben, etwas Mut gemacht oder Motivation gegeben – es liegt nicht am Hund! Es liegt immer an einem selbst und was man aus der Situation macht.

Liebste Grüße,
Nathalie mit Franny
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6 Gedanken zu “[Franny und ich – Teil 4: Mein Hund, das Leinenmonster]

  1. Toller Artikel! ;)
    Ich hoffe dass viele ihn sehen & lesen werden! :) Das „zeigen & benennen“ ist eine super Sache, besonders bei ängstlichen Hunden. Wie du schon sagtest auch nebenbei eine nette Beschäftigung auf den Spaziergängen.
    Jack freut sich auch jedes Mal auf’s neue, wenn ein fremder Hund vorbeikommt, allerdings ist er dabei nicht laut & überdreht oder sonst etwas. Aber damit seine große Freude nicht ausartet machen wir sowas ähnliches wie „zeigen & bennen“. Ich sage immer „Hund“, wenn ich einen fremden Hund sehe (unabhängig davon ob Jack ihn auch sieht oder nicht). Daraufhin schaut er zu mir & bekommt ein winziges Leckerli. Als praktisch hat sich das erwiesen seit er neuerdings meldet, dass um uns ein Hund ist wenn Jack vor mir läuft weil grad „Schnüffel-Zeit“ ist. Er bellt zwar nur einmal, um mir mitzuteilen dass ich handeln soll, aber das mag ich nicht. Also sage ich „Hund“ & er kommt zu mir, geht bei Fuß & bekommt ein Leckerli. Dadurch meldet er mir den Fremdling nicht laut & kassiert was zu naschen.

    Liebste Grüße,
    Claudi & Jack ;)

    Gefällt 2 Personen

    1. Hallo und guten Morgen, das freut mich, dass dir der Beitrag gefällt =). Ich finde es auch total super… Anfangs dachte ich noch „Was soll das bringen“…aber das ist die völlig falsche Einstellung. Es funktioniert wirklich !! Ich bin immernoch ganz begeistert. Schön zu lesen, dass es bei euch auch so gut klappt! Dein Jack scheint auch ein ganz wissbegieriger zu sein – toll :D Macht weiter so!! Liebste Grüße, Nathalie mit Franny

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      1. Man sollte immer offen für Neues sein & ich freue mich, dass ihr so toll an dieser Methode gearbeitet habt um Franny den Stress zu nehmen. :)
        Oft strahlen wir auch schon so viel nervöse Energie aus, dass der Hund ja nur verrückt werden kann. Wie du dir ja auch selbst eingestanden hast, man wird leicht selbst mal panisch. Gerade im kleiner Hund – großer Hund – Verhältnis, da kann man mal in Sorge verfallen. Macht weiter so, ihr seid ja schon auf einem echt guten Weg! :)
        Nochmals liebste Grüße zurück an euch & eine angenehme Restwoche.

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  2. Leinenführigkeit, eines meiner Lieblingsthemen 😊 Eddie ist sehr spielerisch-impulsiv mit großem Bewegungsdrang. Deshalb fallen ihm angeleinte Hundegegnungen öfters schwer. An der Leine arbeite ich mit „Sitz“, „Schau“ oder „Weiter“ nach McConnell & London (Buch „Alter Angeber“). Dort haben sie „Benennen“ nur als Sonderfall für besonders ängstliche Hunde empfohlen, deshalb hab ich das noch nicht ausprobiert. Aber wenn’s bei Franny so toll klappt, umso besser!! 👍

    Freue mich für Eure Trainingserfolge! Angeleinte Hundebegegnungen ist ja quasi eine Königsdisziplin. Tolles Gefühl, solche Situationen zu meistern! Bleibt dran, Ihr schafft das!! Und Spaß macht’s ja auch 😉
    Ganz liebe Grüße, Kiki und Eddie

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